Vier Jahrhunderte Orgelmusik
auf der Paul Ott/Siegfried Schmid-Orgel von St. Jacobi Göttingen

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siehe auch: CD-Besprechung in „Musik und Kirche“ (Sept./Okt. 2008)

CD 4 Jahrhunderte Orgelmusik
1966 wurde in der Göttinger Kirche St. Jacobi eine der größten Orgeln der Orgelbauwerkstatt Paul Ott (Göttingen) gebaut. Mit vier Manualen und Pedal, drei spanischen Trompeten und einer für die damalige Zeit modernen Lochkartensetzeranlage zählt sie zu den bedeutendsten Instrumenten ihrer Zeit. Zahlreiche Kompositionen wurden auf ihr uraufgeführt. Bei den Internationalen Orgeltagen, die seit 1966 alle zwei bis drei Jahre stattfinden, war in den vergangenen Jahrzehnten nahezu die gesamte Elite der Konzertorganisten zu Gast, z. B. Fernando Germani, Gaston Litaize, Luigi Ferdinando Tagliavini, Helmut Walcha und Heinz Wunderlich. Die Reihe „30 Minuten Orgelmusik” lockt seit 1968 fast jeden Freitag um 18 Uhr weit über 100 Zuhörer nach St. Jacobi.
Von Juli 2006 bis Juli 2007 wurde die Orgel von der Firma Siegfried Schmid (Knottenried/Allgäu) grundlegend renoviert. Ein Schwellwerk mit neun Registern und ein Subbaß 32´ im Pedal wurden hinzugefügt sowie mehrere Koppeln ergänzt. Außerdem wurden sämtliche 4806 Pfeifen neu intoniert und eine moderne digitale Setzeranlage eingebaut. Damit ist es jetzt besser möglich, romantische Musik adäquat darzustellen. Diese erste CD auf dem erneuerten Instrument möchte mit Orgelmusik vom Barock über die Romantik bis zur Moderne die stilistische Bandbreite dieser Konzeption dokumentieren.

Gabriel Pierné (1863-1937) wurde 1890 als Nachfolger seines Lehrers César Franck Organist an der Pariser Kirche Ste. Clotilde. In späteren Jahren war er außerdem Dirigent und künstlerischer Leiter der berühmten „Concerts Colonne”. Sein Prélude in g-Moll, geschrieben ca. 1892, ist für eine französische Kathedralorgel mit einem großen Schwellwerk und den sich dadurch ergebenden typischen Crescendo-Möglichkeiten gedacht. Das ruhig beginnende Stück lebt ganz von weit ausschwingenden Wellenbewegungen und harmonischen Dreiklangbrechungen, bei denen nach und nach nahezu unmerklich fast sämtliche Register der Orgel hinzugezogen werden. Da diese klanglichen Möglichkeiten nach der Renovierung nun erstmals zur Verfügung stehen, soll dieses Stück die CD eröffnen.
Maurice Duruflé (1902-1986) war von 1930 bis zu seinem Tode Organist an der Kirche St. Etienne du Mont und Professor am Conservatoire in Paris. Seine wenigen Werke (14 mit Opuszahl) stehen Inlay 4 Jahrhundertein der spätromantischen Tradition. Die Suite op. 5 (1932) ist sein größtes Orgelwerk. Nach einem dunklen Prélude führt die Sicilienne, die der Komponist auch für Kammerorchester bearbeitet hat, durch verschiedenste (Orchester-)Klangfarben, bis die Toccata die Suite zu einem grandiosen Abschluss führt.
Dieterich Buxtehude (1637-1707) war von 1668 bis zu seinem Tode Organist an der Marienkirche in Lübeck. Unter seinen zahlreichen Orgelwerken zeugen vor allem die großen Praeludien von einer profunden und bis dahin nie erreichten Virtuosität, insbesondere des Pedalspiels. Im Praeludium e-Moll wechseln sich immer wieder freie improvisatorische Passagen mit kontrapunktisch strengen Fugen ab.
Der Eingangssatz der vierten Triosonate von Johann Sebastian Bach (1685-1750) entspricht nahezu notengetreu dem ersten Satz der Kantate „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes” BWV 76 für Oboe d´amore, Gambe und Continuo. Die Registrierung mit der Oboe aus dem neuen Schwellwerk greift diese Besetzung auf. Im zweiten Satz erklingen die beiden Holzflöten aus dem Rückpositiv (Ott 1966) und dem Schwellwerk (Schmid 2007), der dritte Satz wird mit Prinzipalstimmen von Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal gespielt.
Der in den Savoyen geborene Komponist Georg Muffat (1653-1704) war im wahrsten Sinne des Wortes ein musikalischer Kosmopolit. Er wuchs im Elsass auf, studierte bei Lully in Paris, lebte in Ingolstadt, Wien und Prag, wurde 1678 Domorganist in Salzburg und studierte ab 1680 mehrere Jahre in Italien, wo er mit Corelli zusammentraf. 1690 wurde er Kapellmeister in Passau. Im gleichen Jahr veröffentlichte Muffat seinen „Apparatus musico-organisticus”, eine Sammlung von 12 Toccaten,  einer Passacaglia, einer Chaconne und einer Aria mit Veränderungen. Die 7. Toccata zählt zu den umfangreichsten dieses Buches. Hier spürt man am Anfang deutlich die Einflüsse der französischen Ouvertüre, während die erste Fuge (gespielt mit der neuen Traversflöte) ganz nach italienischer Canzonenmanier gestaltet ist, wie Muffat selbst im Vorwort geschrieben hat: „Indessen wollest du diese meine Art, als die ich mit der aus dem steten Umgang und Gemeinschaft mit denen vornehmsten Organisten in Teutschland, Welschland und Franckreich erlangten Erfahrenheit vermischet habe… versuchen und nach Belieben für genehm halten.”
Der schwedische Komponist, Kirchenmusiker und Hochschullehrer Oskar Lindberg (1887-1955) schrieb zahlreiche Kantaten und Orchesterwerke sowie ein Requiem. Eine Hirtenmelodie (hier von der neuen Klarinette gespielt) ist Grundlage für den „Gammal fäbodpsalm från Dalarna” (Alter Sennhütten-Psalm aus Dalarna, einer Landschaft in Mittelschweden).
Die griechische Sage von Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte und dafür lebendig an einen Fels gekettet wurde, wurde von zahlreichen Dichtern und Komponisten (z.B. Beethoven, Skrjabin) bearbeitet. Franz Liszt (1811-1886) nahm sie zur Grundlage für seine Symphonische Dichtung. Dieses Orchesterstück, von Jean Guillou (*1930), langjähriger Organist an der Kirche St. Eustache in Paris, für große Orgel bearbeitet, zeigt zum Abschluss noch einmal die Orchesterfarben auf, die an der Paul Ott/Siegfried Schmid-Orgel nun möglich sind.

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